Aktuelles aus dem Kulturhistorischen Museum

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Aufmarschort der Nationalsozialisten

1930 hatte die NSDAP erstmals Abgeordnete im Stadtparlament. 1933 folgte der erste Eingriff in die Selbstverwaltung der Stadt. Wirtschaft und Kultur wurden „gleichgeschaltet“. Minderheiten grenzte man aus. 1933 begannen die Nationalsozialisten auch in Rostock, Mitglieder von SPD und KPD sowie die jüdische Bevölkerung zu verfolgen und umzubringen. In der Stadtverwaltung wurde 1935 das „Führerprinzip“ eingeführt, die Stadtverordnetenversammlung wurde aufgelöst.

Mit Hilfe der staatlichen Förderung für die Rüstungsindustrie wurden die Flugzeugwerke von Arado und Heinkel ausgebaut. Die Neptunwerft konnte durch Aufträge für die Flugzeugindustrie und seit 1938 für den Kriegsschiffbau einen Aufschwung verzeichnen. Kleine Betriebe und Handwerker lieferten der Rüstung zu.

Obwohl nicht Sitz der Gauleitung der NSDAP, wurde die Musterstadt Rostock seit 1933 zum zentralen Veranstaltungs- und Aufmarschort der Nationalsozialisten. Zu den Massenveranstaltungen gehörten Gautage und Gauparteitage der NSDAP auf dem neu geschaffenen Aufmarschgelände am Barnstorfer Wald. (s. Bild)

Extra

Zwischen 1933 und 1945 gab es Rostocker, die Mut und Anstand bewiesen haben. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung war jedoch gering.

Ein Beispiel: Bernhard Wirth

Bernhard Wirth war als ungelernter Arbeiter in den Ernst Heinkel Flugzeugwerken beschäftigt. Im Auftrag der Firma hatte er einmal ein KZ betreten und war Zeuge unmenschlicher Quälereien geworden. Das hatte ihn tief erschüttert. Als Bernhard Wirth aufgrund einer Erkrankung eine Nachtwächterstelle in einem Zwangsarbeiterlager annehmen musste, versuchte er, die Situation der Insassen, wenn möglich, zu erleichtern und begann sogar, Russisch zu lernen. Einer der Gefangenen schuf aus Dankbarkeit ein Porträt Bernhard Wirths, das heute im Kulturhistorischen Museum zu sehen ist..

Ein Beispiel: Wilhelm Leffers

Als Pfarrer setzte er sich besonders für Arme ein. Seinem Einsatz verdankte die Stadt die Gründung des Krankenhauses St. Georg sowie des Kinder- und Säuglingsheimes St. Josef. Aufgrund seiner aufrechten Haltung wurde er 1935 denunziert. Im ersten gegen einen katholischen Geistlichen abgehaltenen Sondergerichtsprozess wurde Wilhelm Leffers zu anderthalb Jahren Haft verurteilt. 1940 folgten weitere zweieinhalb Jahre Gefängnis.

Ein Beispiel: Friedrich Franz Peters

Der Warnemünder Fischer war im Ersten Weltkrieg schwer verwundet von alliierten Sanitätern gerettet worden. Als er selbst 1944 einen US-Bomberpiloten hilflos in der Ostsee treibend fand, war es für ihn selbstverständlich, dem Soldaten das Leben zu retten. Er folgte entgegen der NS-Propaganda dem Grundsatz der Seefahrer, jedem Menschen in Seenot zu helfen.

Tipp

Gehen Sie erst ins Kulturhistorische Museum und schauen sich die Ausstellung „Rostock. Jetzt 800” an, um danach den roten Punkten zu folgen. Zum Beispiel Nr. 33. Kaum etwas erinnert heute daran, dass das Gelände des Ostseestadions, der großzügige Platz davor sowie die breite Straße zum Holbeinplatz ursprünglich zu einem ganz anderen Zweck angelegt worden waren. Hier wurde 1936 das Rostocker Aufmarschgelände eröffnet und bildete den Rahmen für die großen Inszenierungen der NS-Progaganda in Rostock. Die Planungen sahen neben den fertig gestellten Tribünen und dem Platz für die Gauparteitage auch eine Kongresshalle für 20.000 Menschen vor. Das Gelände an den Barnstorfer Anlagen und die darauf ausgerichtete Straßenachse mit dem Platz der Gefolgschaft sollte Rostock als nationalsozialistische Musterstadt symbolisieren. Zugleich dokumentierten diese und weitere Bauten die besondere Rolle der Stadt für die NS-Herrschaft in Mecklenburg.

Wie Sie die Tour starten können? Ganz einfach. Gehen Sie mit Ihrem Handy oder Tablet auf rostock-jetzt-800.de. Klicken Sie auf die Tour - und schon geht's los.

Hintergrund

800 Jahre Rostock. Es gibt eine Menge zu entdecken. Wo? In der großen Ausstellung zur Stadtgeschichte im Kulturhistorischen Museum. Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Auf rostock-jetzt-800.de erfahren Sie alles über die Ausstellung mit mehr als 650 Exponaten auf 1200 Quadratmetern, über die wichtigsten Schätze der Rostocker Geschichte, die erstmals an einem Ort versammelt werden: im Kloster zum Heiligen Kreuz.