Aktuelles aus dem Kulturhistorischen Museum

Alles über Rostock. Jetzt 800 – hier verpassen Sie nichts

Geschichte zum Feiertag

Mittwoch, Tag der deutschen Einheit. Die meisten Leute haben heute frei. Zeit für einen Besuch im Kulturhistorischen Museum Rostock - und für einen Spaziergang zu den Geschichtsorten der Stadt. Unser Tipp: diese Etappe auf der Jetzt.800-Tour. Los geht's gleich neben dem Museum.

 

Punkt 17.  Der Universitätsplatz mit dem Brunnen der Lebensfreude ist heute ein zentraler und beliebter Platz der Rostocker Innenstadt. In den ersten Jahren nach der Stadtgründung befand sich hier, etwas westlich des Brunnens, das Rathaus der Neustadt. Mit Gründung der Universität 1419 wurde das Gebäude zum Kollegium der Artisten. Die Universität wird im kommenden Jahr ihren 600. Geburtstag feiern. In der Sonderausstellung zum Stadtjubiläum zeigen wir bereits eine wertvolle Leihgabe des Universitätsarchives: Das Liber Facultatis, das Buch der Philosophischen Fakultät. Hier wurden die Studenten und die Statuten der Fakultät verzeichnet. Als Grundlagenfakultät hatte sie jeder Student zu durchlaufen. Zum Einschreiben in die Universität musste er sich in der Wohnung des Rektors einfinden, um sich dort vorzustellen. Er hatte dann einen Eid abzulegen, in dem er dem Rektor unbedingten Gehorsam schwor. Gleichzeitig schwor er, ein guter und fleißiger Student zu sein. Auf den Eid erfolgte das Zahlen der Immatrikulationsgebühr. Die Studenten genossen eine besondere Stellung in der Stadt und hatten beispielsweise einen speziellen Rechtsstatus. Die Mitgliedschaft galt auf Lebenszeit, sofern der Student diese nicht durch unmoralisches Verhalten verlor oder selbst aufgab.

 

Punkt 20.  Vor dem Hauptgebäude der Universität befindet sich eine imposante Bronzefigur. Sie zeigt den preußischen Feldmarschall Gebhard Leberecht Blücher. 1819 widmete Rostock seinem großen Sohn ein Denkmal, wobei die Entstehungsgeschichte dieser Ehrung kurios anmutet. Am 22. Juli 1918 erschien in einer hamburgischen Zeitung ein Artikel, welche die Errichtung des Denkmals ankündigte. Als Blücher selbst sich in einem persönlichen Brief an die Hansestadt bedankte, waren Fakten geschaffen. Die Rostocker Stadtverwaltung wusste bis zu diesem Zeitpunkt nichts von derartigen Plänen, musste nun aber durch den öffentlichen Druck aktiv werden. Den Entwurf für die Figur lieferte der Berliner Bildhauer Gottfried Schadow. Johann Wolfang von Goethe beteiligte sich mit einer Inschrift auf dem Sockel. Das Denkmal wurde schließlich auf dem Hopfenmarkt vor dem Palais des mecklenburgischen Großherzogs aufgestellt und am 29. August 1819 mit einem großen Fest eingeweiht. 1938 wurde die Figur einige Meter bis zu ihrem heutigen Standort verschoben. In der Ausstellung „Rostock. Jetzt 800“ sehen Sie eine Tabakdose, welche einen Eindruck von der Einweihung des Denkmals gibt. Im Hintergrund sind das Weiße Kolleg der Universität und die Kirche des Klosters zum Heiligen Kreuz zu sehen.

 

Punkt 38.  Drei Pfarrkirchen des mittelalterlichen Rostocks prägen auch heute noch das Stadtbild. St. Marien, St. Petri und St. Nikolai haben trotz zahlreicher baulicher Veränderungen die Jahrhunderte überlebt. Dass Rostock einst vier große Pfarrkirchen besaß, lässt sich heute nur noch auf alten Stadtansichten erkennen. Allein der Name „Jacobi-Kirchplatz“ der Grünfläche inmitten der dichtbebauten Innenstadt deutet auf die einst prächtige Pfarrkirche der Neustadt hin. Die Jacobikirche wurde bereits 1280 begonnen, der Chor wurde erstmals 1329 erwähnt. Als Kirche der reichen Neustadt hatte sie eine prunkvolle Ausstattung. Bei den Bombenangriffen 1942 brannte sie jedoch vollständig aus. Als 1947 der nahe Blücherbunker gesprengt wurde, stürzte das Langhaus endgültig ein. Das Kulturhistorische Museum Rostock verwahrt ein eindrucksvolles Zeugnis der Zerstörung dieser Pfarrkirche auf: Ein Epitaph aus dem Jahr 1599, welches die Frau des Bürgermeisters Heinrich Runge darstellt, überlebte die Flammen, da es aus Sandstein gefertigt war. Erst beim Einsturz des Kirchenschiffs infolge der Sprengung des südlich der Kirche stehenden Blücherbunkers fiel es herab und zerschellte.

 

Punkt 37.  Die Lange Straße in Rostock ist einer der markantesten Straßenzüge der Hansestadt und prägt das Bild der Innenstadt. Sie ist jedoch zugleich stummer Zeuge der Rostocker Kriegsjahre. Als wichtiger Rüstungsstandort im Norden des Reichs und als nationalsozialistische Musterstadt geriet Rostock als eine der ersten Städte in den Fokus der Alliierten. In vier Nächten zwischen dem 23. und 27. April 1942 legten alliierte Bomber Rostock in Trümmer. Die Angriffe forderten ca. 300 Tote und Verwundete und zerstörten 60 Prozent der Gebäude. Dabei wurde die Lange Straße besonders schwer getroffen und zum größten Teil vernichtet. Nach den Bombennächten hatte sich das Angesicht der Innenstadt für immer verändert. Die unbebaute Nordseite des Neuen Marktes, die großzügigen Ausdehnungen etwa von Steinstraße und Langer Straße sowie die Freifläche um das Kröpeliner Tor sind nur Beispiele dafür, wie Rostock zu großen Teilen auf Trümmerfeldern neu errichtet wurde. In der Ausstellung „Rostock. Jetzt 800“ sehen Sie zahlreiche Fotografien des zerstörten Rostocks sowie eindrucksvolle Zeugnisse der Bombennächte, wie etwa ein Stück des Kupferdaches von St. Petri, welches ebenfalls getroffen ausbrannte.

 

Punkt 39.  Ihr heutiges Gesicht erhielt die Lange Straße in den 1950iger Jahren: als Kernstück der Umgestaltung der Rostocker Innenstadt. Um die politische Bedeutung Rostocks zu unterstreichen, sollte das Zentrum durch eine breite Magistrale dominiert werden. Städtebaulich war dieses Projekt in seiner Größenordnung einzigartig in Mecklenburg-Vorpommern und prägt die Stadt bis heute maßgeblich. So mussten, um die Verkehrsanbindung der Langen Straße zu gewährleisten, die Nordseite des Neuen Marktes und die Christuskirche am Schröderplatz weichen. Man orientierte sich vor allem am Stil des sozialistischen Klassizismus, der auch bei anderen Bauprojekten der DDR wie der Frankfurter Allee formgebend war. Doch auch Elemente der Norddeutschen Backsteingotik fanden ihren Weg in die Entwürfe. In der Ausstellung „Rostock Jetzt 800“ sehen Sie Formsteine aus dem originalen Fassadenschmuck. Die vier Keramiktafeln ergeben zusammengesetzt eines der gotischen Vierpass-Motive, die als Zierfriese beinahe sämtliche Fassaden der Langen Straße schmücken.

Wie Sie die Tour starten können? Ganz einfach. Gehen Sie mit Ihrem Handy oder Tablet auf rostock-jetzt-800.de, der Seite mit allen Infos zur großen Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Rostock. Klicken Sie auf die Tour - und schon begleiten wir Sie in die Stadt.

Hintergrund

800 Jahre Rostock. Es gibt eine Menge zu entdecken - in der großen Ausstellung zur Stadtgeschichte im Kulturhistorischen Museum. Immer dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Auf rostock-jetzt-800.de erfahren Sie alles über die Ausstellung mit mehr als 650 Exponaten auf 1200 Quadratmetern, über die wichtigsten Schätze der Rostocker Geschichte, die erstmals an einem Ort versammelt sind: im Kloster zum Heiligen Kreuz.