Aktuelles aus dem Kulturhistorischen Museum

Alles über Rostock. Jetzt 800 – hier verpassen Sie nichts

Jetzt-800-Tour in der Mittagspause

Sie arbeiten in der Stadt und haben in der Pause noch nichts vor? Dann schlagen wir Ihnen einen kurzen Ausflug in die Rostocker Geschichte vor. Unsere Fotografin hat sich auf den Weg gemacht.

Wie Sie die Tour starten können? Ganz einfach. Gehen Sie mit Ihrem Handy oder Tablet auf rostock-jetzt-800.de, der Seite mit allen Infos zur großen Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Rostock. Klicken Sie auf die Tour - und schon begleiten wir Sie in die Stadt. Zum Beispiel zum Neuen Markt, zur Runde mit den Punkten 8, 9, 18, 15, 3, 12 und 5.

 

Punkt 8. Die Straße Hinter dem Rathaus, ursprünglich Hinter dem Weinkeller, gehörte im Mittelalter zu den besten Lagen Rostocks. Der Anspruch der Kaufleute als führende Gruppe in der Stadt äußerte sich auch in den Fassaden. Die aus Stein errichteten Kaufmannshäuser wurden auf schmalen Grundstücken errichtet und standen mit dem Giebel an der Schmalseite zur Straße. Hinter dem Haus erstreckten zumeist große Hofgrundstücke. In dem historischen Eckhaus befinden sich heute das Standesamt und das Archiv der Hansestadt Rostocks. Es wurde um 1470 von Bürgermeister Bertold Kerkhof errichtet und war bis in das 17. Jahrhunderts im Besitz seiner Familie. Nach dem Ende des Geschlechts 1605 ging das Haus in den Besitz der Familie Burchard über und wurde 1902 mit anderen Grundstücken von der Stadt gekauft. In der Ausstellung Rostock. Jetzt 800 sehen Sie den luxuriösen Fassadenschmuck, den die Familie Mitte des 16. Jahrhunderts anbringen ließ. Die aus Sachsen oder Süddeutschland importierten Majolikaplatten zeigen den Wohlstand aber auch den Kunstsinn der Zeit.

 

Punkt 9. Ab 1256 besaßen die Dominikaner in Rostock ein einflussreiches Kloster. 1831 wurde die Klosterkirche abgerissen, so dass heute nichts mehr im Stadtbild an die imposante Anlage erinnert. Im Kulturhistorischen Museum Rostock zählt das Retabel des Hochaltars zu den eindrucksvollsten Stücken. Es war ursprünglich ein Wandelaltar mit einem feststehenden Mittelschrein, zwei beweglichen Flügelpaaren, einer Predella und einem Gesprenge als oberem Abschluss. Er wurde von der weltlichen Bruderschaft der heiligen drei Könige (Fraternitas trium regum) in Auftrag gegeben. Die Heimreise der Heiligen drei Könige ist das bekannteste Bild des Altars, da die im Hintergrund befindliche Stadt Ähnlichkeiten mit dem mittelalterlichen Rostock aufweist. Erkennbar sind die schlanken Turmhelme der Kirchen St. Petri und St. Nikolai, der Ausfluss der Grube in den Hafen, die Strandtore und die Landungsbrücken. Es wäre damit die älteste bildliche Darstellung der Hansestadt Rostocks. Beim Abbruch der Kirche 1831 wurde der imposante Altar demontiert. Seit 1888 befinden sich seine Überreste im Museum.

 

Punkt 18. Das ehemalige Fraterhaus der Brüder zum gemeinsamen Leben in der Altbettelmönchstraße beherbergt heute die Fachbibliothek Philosophie und Theologie sowie die evangelisch-methodistische Gemeinde Rostocks. Das eindrucksvolle Gebäude hinter dem Rostocker Hof hat indes eine wechselvolle Geschichte. 1462 kamen die Brüder zum gemeinsamen Leben aus der Gegend um Münster nach Rostock, um sich hier niederzulassen. Die klosterähnliche Gemeinschaft war vor allem für ihre Buchherstellung bekannt. Im östlichen Teil ihres Gebäudes befand sich eine Kirche, während im westlichen Teil gewohnt und gearbeitet wurde. Hier befand sich ihre Druckerei, welche die erste in Rostock war und die Hansestadt zu einem wichtigen Zentrum der Buchherstellung im Ostseeraum machte. Bei Ausgrabungen kamen in den 1950er-Jahren zahlreiche Tintenfässer zu Tage, die in einen Zusammenhang mit dieser ältesten Druckerei gebracht werden können. Neben bedeutenden Drucken der Brüder sehen Sie diese Tintenfässer in der Ausstellung „Rostock. Jetzt 800“.

 

Punkt 15. Der Heiligengeisthof in der Innenstadt von Rostock ist heute ein idyllischer Ort mit Geschäften und Gastronomie. Im Mittelalter befand sich hier der Innenhof des Hospitals zum Heiligen Geist. Zunächst in der Altstadt gelegen, wurde es 1275 hier neu errichtet. Durch Schenkungen und Stiftungen wuchsen Reichtum und Einfluss. Eine große Hospitalkirche verband den Hof mit der heutigen Kröpelinerstraße. Hospitäler erfüllten in der mittelalterlichen Stadt wichtige Funktionen. Hier wurden Alte, Kranke oder auch verwaiste Kinder versorgt. Mit Spenden oder durch freiwillige Arbeit konnten Alleinstehende oder kinderlose Ehepaare das Privileg erlangen, bei Krankheit oder im Alter im Hospital zu wohnen und versorgt zu werden. Das Hospital ist im heutigen Stadtbild nur noch zu erahnen. Wurden die Wohnhäuser am Heilig-Geist-Hof im 18. und 19. Jahrhundert noch neu errichtet, verfiel hingegen die imposante Hospitalkirche. In der Ausstellung „Rostock. Jetzt 800“ sehen Sie Teile eines ihrer mittelalterlichen Altäre. Das wertvolle Relief zeigt die Figur des Gottvaters auf dem himmlischen Thron mit dem toten Christus. Die Taube über ihren Köpfen, Symbol des heiligen Geistes, fehlt heute. Die Darstellung versinnbildlicht ein bestimmtes Verständnis von der Trinität (Dreieinigkeit): Gott präsentiert Christus den Menschen als denjenigen, der für ihre Sünden am Kreuz gestorben ist. Der Heilige Geist, der zwischen Gott und Christus steht, vermittelt zwischen beiden.

 

Punkt 3. Die kleinen Gassen an der Marienkirche vermitteln auch heute noch einen Eindruck des mittelalterlichen Rostocks. Hier befand sich ein Gebäude, welches eine wichtige und vor allem auch sehr symbolische Bedeutung für die frühen Jahre der Rostocker Geschichte hatte: die Rostocker Münze.  Das  Recht, Münzen  zu  prägen  war  ursprünglich  ein  fürstliches  Privileg.  Das  reiche  Rostock   nutzte  die  permanente  Geldnot  des  Fürsten  aus,  um  ihm  dieses  Vorrecht  in  den  Jahren  1325  und  1361  abzukaufen. Damit  besaß Rostock  ein  wichtiges  Privileg,  das  es  in  den  folgenden  Jahrhunderten  zäh  verteidigte. In der Ausstellung „Rostock. Jetzt 800“ sehen Sie mittelalterliche Münzprägestempel aus dem 15. Jahrhundert. Rostock, Stralsund und Greifswald vereinbarten bereits 1424, ihre Münzen an die des Wendischen Münzvereins anzupassen. Als sich Stralsund, Greifswald, Anklam, Demmin, Stettin und die Herzöge von Pommern 1428 auf die Prägung sundischer Schillinge einigten, gehörte Rostock nicht zu den Unterzeichnern des Vertrages. Die Hansestadt begann aber 1429 sofort mit der Prägung der neuen Münzen und blieb im sundischen Währungsbezirk Hauptmünzstätte.

 

Punkt 12. Die imposante Marienkirche ist aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Als Pfarrkirche der Mittelstadt war sie in der Rostocker Geschichte die größte, bedeutendste und reichste der Rostocker Kirchen. Sie wurde 1232 erstmals erwähnt. Wegen der zentralen Lage in der der Nähe des Neuen Marktes mit dem Rathaus machte man sie mit der Vereinigung der Rostocker Teilstädte 1262 bis 1265 zur Haupt- und Ratspfarrkirche und damit zum Symbol des städtischen Gemeinwesens. Seit 1419 war St. Marien Universitätskirche. Ihr Pfarrbezirk umfasste die Rostocker Mittelstadt zwischen der Grube im Osten, dem Straßenzug Lagerstraße/Faule Grube/Kleine Doberaner Straße im Westen und der Stadtmauer im Norden und Süden. Die Verwaltung des Bauwesens und die Kirchenaufsicht lagen beim Rostocker Rat, der das repräsentative Gebäude in mehreren Baukampagnen zwischen 1290 und 1452 neu errichten ließ. In der Ausstellung „Rostock. Jetzt 800“ zeigen wir ein detailliertes Modell aus dem 19. Jahrhundert sowie eine wertvolle vergoldete Oblatendose aus dem 16. Jahrhundert, welche bis heute bei feierlichen Gottesdiensten Verwendung findet.

 

Punkt 5. Das Rathaus ist bis heute das prachtvolle Zentrum der Stadt. In seiner Geschichte war es stets Sitz des Rates, aber auch Ort des Gerichts sowie Kaufhaus für den Handel. Zunächst besaßen die drei Stadtgemeinden eigene Rathäuser. Sie lagen an der Ostseite des Alten Marktes, auf dem Neuen Markt und auf dem Neustädtischen Markt, dem heutigen Universitätsplatz. Nach der Vereinigung der Gemeinden, der Räte und Gerichte wurde der Markt der Mittelstadt Hauptmarkt und Sitz der Stadtregierung. In der Ausstellung „Rostock. Jetzt 800“ ermöglichen wir einen Blick hinter die Fassade des Rathauses.

Hintergrund

800 Jahre Rostock. Es gibt eine Menge zu entdecken - in der großen Ausstellung zur Stadtgeschichte im Kulturhistorischen Museum. Immer dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Auf rostock-jetzt-800.de erfahren Sie alles über die Ausstellung mit mehr als 650 Exponaten auf 1200 Quadratmetern, über die wichtigsten Schätze der Rostocker Geschichte, die erstmals an einem Ort versammelt sind: im Kloster zum Heiligen Kreuz.