Aktuelles aus dem Kulturhistorischen Museum

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Schulz und die Planwirtschaft

1945 packten die Rostocker an. Trümmer beseitigen, Wiederaufbau, Versorgung mit Wohnraum und Nahrung stellten die Stadt vor große Probleme. 1946 fanden wieder freie Wahlen statt. Am 27. September bildete sich eine neue Stadtverordnetenversammlung. Albert Schulz (s. Extra) wurde Oberbürgermeister. Dieser wehrte sich in den kommenden Jahren vergeblich gegen die voranschreitende Planwirtschaft. Städtische Betriebe wie das Elektrizitätswerk wurden der Deutschen Wirtschaftskommission in Berlin unterstellt. Rostock verlor seine finanzielle und wirtschaftliche Eigenständigkeit. Die Politik im Rathaus wurde zunehmend durch staatliche Vorgaben bestimmt.

Schulz wurde 1949 zum Rücktritt gedrängt. Nach der Gründung der DDR 1949 erfuhr Rostock einen Ausbau zum wichtigsten Seefahrts-, Hafen- und Werftstandort der DDR. Vor allem der Schiffbau auf der Warnowwerft wurde staatlich gefördert. Bis 1953 wuchs die Belegschaft auf über 9.000 Mitarbeiter. Auch politisch erfuhr Rostock eine Aufwertung. 1952 wurden auf dem Gebiet der DDR die Länder aufgelöst und in Bezirke aufgeteilt. Rostock war fortan Bezirkshauptstadt.

Später wuchs mit der Stagnation des Sytems und wachsender Repression die Opposition gegen das SED-Regime. Aufbruch und Wende (Beitrag folgt).

 

Extra

Der Rostocker Albert Schulz (auf dem Bild in der Mitte) war seit 1913 Mitglied der SPD und als Landtags- und Reichstagsabgeordneter aktiv. 1945 wurde er zum Vorsitzenden der Rostocker SPD-Ortsgruppe gewählt. 1946 berief man ihn zum Oberbürgermeister. 1947 verhaftete ihn das sowjetische NKWD, musste ihn nach vier Monaten aber wieder frei lassen. Als Oberbürgermeister war er, obwohl SED-Mitglied, gegen die Verstaatlichung der städtischen Betriebe. Am 1. August 1949 trat Schulz zurück. um nicht Anweisungen ausführen zu müssen, die der Stadt zuwider liefen.

Albert Schulz wurde aus der SED ausgeschlossen. Er floh mit seiner Familie nach Westdeutschland, um der erneuten Verhaftung zu entgehen. Er starb 1974 in Hamburg.

Hintergrund

Rostock. Jetzt 800. Die Ausstellung zur Stadtgeschichte im Kulturhistorischen Museum. Noch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Auf rostock-jetzt-800.de erfahren Sie alles über die Ausstellung mit mehr als 650 Exponaten auf 1200 Quadratmetern, über die wichtigsten Schätze der Rostocker Geschichte, die erstmals an einem Ort versammelt sind: im Kloster zum Heiligen Kreuz.