Aktuelles aus dem Kulturhistorischen Museum

Alles über Rostock. Jetzt 800 – hier verpassen Sie nichts

Unterwegs in der Geschichte

Unser Tipp fürs Wochenende: Gehen Sie erst ins Kulturhistorische Museum und schauen sich die Ausstellung „Rostock. Jetzt 800” an, um danach den roten Punkten zu folgen. Zum Beispiel nach Warnemünde. Auf den nördlichen Teil der Jetzt-800-Tour. Was Sie dort zu sehen bekommen?

Punkt 4. Sitz des Rostocker Statthalters in Warnemünde

Direkt am Strom in Warnemünde befindet sich die alte Vogtei. Hier residierte der Rostocker Statthalter. Er sorgte als Vogt für die Durchsetzung der Interessen Rostocks, übte die Polizeigewalt aus und wirkte als Gerichtsherr vor Ort im Namen des Rates. Mit dem Erwerb des Dorfes Warnemünde an der Mündung der Warnow in die Ostsee hatte sich Rostock die Hafenausfahrt und damit die Schifffahrt als Rückgrat der städtischen Wirtschaft gesichert. In der Ausstellung „Rostock. Jetzt 800“ zeigen wir die Urkunde, welche 1323 den Verkauf des Dorfes an die Stadt besiegelte sowie eine hölzerne Gestühlswange. Diese schmückte das für die Rostocker Ratsherren reservierte Gestühl in der Warnemünder Kirche. Sie trug das Wappen der Stadt Rostock und den Greif als Ratswappen und führte so den Anwesenden in der Kirche die Machtverhältnisse deutlich vor Auge.

Punkt 27. Erholung am Meer

Der Strand von Warnemünde ist für viele Rostocker, aber vor allem für zahlreiche Besucher zu einem Markenzeichen der Hansestadt geworden. Mit etwa 3,5 Millionen Hotelübernachtungen pro Jahr ist der Tourismus auch ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Heute sind die großen Kreuzfahrtschiffe, die Menschenmengen und die vollen Strände im Sommer nicht mehr wegzudenken. Dabei war Warnemünde lange Zeit nur Fischerdorf, Wohnort für Schiffer und zweiter Rostocker Hafen. Erst im 19. Jahrhundert wurde der kleine Ort zum beliebten Seebad. Schon 1821 suchten die ersten Badegäste hier Erholung. 1834 gab es bei 1.500 Einwohnern bereits 1.000 Sommergäste. Nach der Einführung der Gewerbefreiheit 1869 beschleunigte sich die Entwicklung. Handwerker und Gewerbe, den Warnemündern bisher verboten, siedelten sich an. Viele Einwohner fanden ihr Auskommen im Fremdenverkehr, vermieteten Zimmer und die neuen Veranden ihrer Häuser. Sie richteten Pensionen und Hotels ein. Der Anschluss an die Eisenbahn 1886 und die Einrichtung einer Fährverbindung nach Dänenmark 1903 schlossen dann Warnemünde endgültig an den internationalen Fremdenverkehr an. In der Ausstellung „Rostock. Jetzt 800“ sehen Sie zeitgenössische Bademode sowie einen Sonnenschirm.

Punkt 29. Ein Hafen wird Sperrgebiet

Warnemünde steht heute vor allem für Fremdenverkehr und Tourismus. Im Sommer bevölkern Tausende Menschen die Promenade am Alten Strom und sitzen in den Hafenrestaurants. Der Erste Weltkrieg machte Warnemünde jedoch zur Frontstadt. Die Ostsee wurde durch den Kriegsgegner Russland zu einem Kriegsschauplatz und das Seebad militärisches Sperrgebiet. Es konnte aber mit Passierschein besucht werden. Am Alten Strom lagen Kriegsschiffe. In Hohe Düne befand sich ein Flugplatz mit einer Marine-Fliegereinheit. Obwohl man das Betreten der Mole untersagt hatte, Fenster zu verdunkeln und Fotoapparate verboten waren, erholte sich der mit Kriegsbeginn eingebrochene Tourismus. Auch, weil es im Seebad leichter war, sich mit Lebensmitteln zu versorgen, da es von landwirtschaftlichen Anbaugebieten umgeben war.

Punkt 42. Wahrzeichen des ostdeutschen Schiffbaus

Viele Rostocker erinnern sich noch gut an die 1955 gebaute Kabelkrahnanlage, welche allein durch ihre Größe die Silhouette von Warnemünde prägte. Sie war Teil der Warnowwerft und damit auch Symbol für den Schiffbau an der Warnow. Rostock wurde in der DDR als zentraler Werft- und Hafenstandort ausgebaut. Die Warnowwerft und der Überseehafen bildeten das Rückgrat dieser Entwicklung. In der Sonderausstellung „Rostock. Jetzt 800“ sehen Sie zahlreiche Stücke, welche von diesem Kapitel Rostocker Wirtschaftsgeschichte erzählen. Dazu gehört auch Franz Fühmanns Buch „Kabelkran und blauer Peter“ von 1961. Es basiert auf seinen eigenen Erfahrungen, die er zuvor auf der Warnemünder Warnowwerft gesammelt hatte. In den 1950er und 1960er Jahren versuchte die DDR-Führung durch literarische Texte die Arbeit in den Betrieben als Ideal des Staates herauszustellen. Den entsandten Schriftstellern fielen aber auch immer wieder die Engpässe und Schwierigkeiten bei der Produktion auf, über die selten in direkter Weise berichtet werden durfte.

Punkt 43. Fünf Sterne in Rostock

Das Hotel „Neptun“ ist seit 1971 das größte und bekannteste Hotel Warnemündes und das mit 64 Metern zweithöchste Gebäude der Hansestadt. Es galt als eines der drei besten Hotels der DDR und war Sehnsuchtsziel vieler DDR-Bürger. Doch zunächst war das Hotel lediglich für Touristen aus dem westlichen Ausland gedacht. Nachdem der 8. Parteitag der SED die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ zur Doktrin erhoben hatte, gingen 80 Prozent der Zimmer an den FDGB-Feriendienst. Zwölf Tage in Vollpension kosteten 310 Mark und wurden durch die Ferienkommissionen der Betriebe vergeben, welche die Urlauber nach „sozialistischen“ Kriterien auswählte. In der Ausstellung „Rostock. Jetzt 800“ sehen sie ein sogenanntes „Storeticket“. Wegen des hohen Anteils von Ausländern, vor allem Westdeutscher, besaß das Hotel Neptun eine Hauswährung, in die jeder Gast seine Landeswährung einzutauschen hatte. So sollten illegaler Umtausch und Schwarzhandel verhindert werden.

Wie Sie die Tour starten können? Ganz einfach. Gehen Sie mit Ihrem Handy oder Tablet auf rostock-jetzt-800.de, der Seite mit allen Infos zur großen Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Rostock. Klicken Sie auf die Tour - und schon begleiten wir Sie in die Stadt.

Hintergrund

800 Jahre Rostock. Es gibt eine Menge zu entdecken. Wo? In der großen Ausstellung zur Stadtgeschichte im Kulturhistorischen Museum. Immer dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Auf rostock-jetzt-800.de erfahren Sie alles über die Ausstellung mit mehr als 650 Exponaten auf 1200 Quadratmetern, über die wichtigsten Schätze der Rostocker Geschichte, die erstmals an einem Ort versammelt werden: im Kloster zum Heiligen Kreuz.