Wo sich heute, in Sichtweite von Gehlsdorf und Dierkow, eine unbebaute Grünfläche erstreckt, hat im 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. reges Treiben geherrscht. Hier sind Archäologen einem bedeutenden Seehandelsplatz der Slawenzeit auf der Spur. In der Niederung zwischen Primelberg und Warnow finden sich zahlreiche Zeugnisse einer ausgedehnten Siedlung und Überreste einer Hafenanlage. Durch archäologische Funde konnten vielfältige Kontakte zwischen Slawen und Wikingern und bis in das Schwarzmeergebiet nachgewiesen werden. Neben den Händlern lebten und arbeiteten in dieser Siedlung auch verschiedene Handwerker, die hier ihre Waren für den Verkauf herstellten. Im 10 Jahrhundert verlandete das Gelände schließlich und wurde nur noch als Siedlung genutzt. In der Sonderausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie neben zahlreichen anderen eindrucksvollen Stücken auch einen Schatzfund aus dem frühen 9. Jahrhundert. Dieser wurde 1990 in unmittelbarer Nähe eines Brunnens entdeckt. Wesentliche Bestandteile des Hortes waren die silbernen Teile eines Schwertknaufes und insgesamt 146 verschiedenartige Glasperlen. Während der Schwertknauf in Skandinavien hergestellt wurde, ist bei den Perlen eine syrisch-ägyptische Herkunft wahrscheinlich. Zu dem Ensemble gehörten weiterhin ein Goldprobierstein, drei Messing- und zwei Zinkbarren, eine Bleimatrize und einige Silberblechfragmente, die es wahrscheinlich machen, dass es sich um den versteckten Besitz eines Edelmetallschmiedes gehandelt hat.

Die Rostocker Heide ist heute ein beliebtes Naherholungsgebiet und zugleich der größte geschlossene Küstenwald Deutschlands. In der Geschichte der Hansestadt nimmt sie einen besonderen Platz ein, denn sie ist Gegenstand der ältesten erhaltenen Stadtrechtsurkunde Rostocks. Eigentlich ging es 1252 um den Verkauf der Heide. Damals übergab Heinrich Borwin III. der Stadt das Waldgebiet für die Summe von 450 Mark Pfennige. Jedoch findet sich auf der Urkunde auch eine Abschrift eines älteren Dokuments vom 24. Juni 1218, in welchem der Fürst den Gebrauch des Lübecker Stadtrechtes bestätigt, den Einwohnern Rechtssicherheit und Freiheiten sowie Zollfreiheit in seinem Herrschaftsgebiet gewährt. Er verzichtete auch auf sein Recht an im Rostocker Hafen gestrandeten Schiffen, versprach freien Verkehr und verlieh der Stadt die Fischerei auf der Unterwarnow. Das Stadtrecht wurde auf die Mittelstadt und die Neustadt ausgedehnt. Zum Stadtjubiläum ist die Heideurkunde selbstverständlich eines der zentralen Stücke der Sonderausstellung „Rostock.Jetzt800“.

Die kleinen Gassen an der Marienkirche vermitteln auch heute noch einen Eindruck des mittelalterlichen Rostocks. Hier befand sich ein Gebäude, welches eine wichtige und vor allem auch sehr symbolische Bedeutung für die frühen Jahre der Rostocker Geschichte hatte: die Rostocker Münze.  Das  Recht, Münzen  zu  prägen  war  ursprünglich  ein  fürstliches  Privileg.  Das  reiche  Rostock   nutzte  die  permanente  Geldnot  des  Fürsten  aus,  um  ihm  dieses  Vorrecht  in  den  Jahren  1325  und  1361  abzukaufen. Damit  besaß Rostock  ein  wichtiges  Privileg,  das  es  in  den  folgenden  Jahrhunderten  zäh  verteidigte. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie mittelalterliche Münzprägestempel aus dem 15. Jahrhundert. Rostock, Stralsund und Greifswald vereinbarten bereits 1424, ihre Münzen an die des Wendischen Münzvereins anzupassen. Als sich Stralsund, Greifswald, Anklam, Demmin, Stettin und die Herzöge von Pommern 1428 auf die Prägung sundischer Schillinge einigten, gehörte Rostock nicht zu den Unterzeichnern des Vertrages. Die Hansestadt begann aber 1429 sofort mit der Prägung der neuen Münzen und blieb im sundischen Währungsbezirk Hauptmünzstätte.

Direkt am Strom in Warnemünde befindet sich die alte Vogtei. Hier residierte der Rostocker Statthalter. Er sorgte als Vogt für die Durchsetzung der Interessen Rostocks, übte die Polizeigewalt aus und wirkte als Gerichtsherr vor Ort im Namen des Rates. Mit dem Erwerb des Dorfes Warnemünde an der Mündung der Warnow in die Ostsee hatte sich Rostock die Hafenausfahrt und damit die Schifffahrt als Rückgrat der städtischen Wirtschaft gesichert.
In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ zeigen wir die Urkunde, welche 1323 den Verkauf des Dorfes an die Stadt besiegelte sowie eine hölzerne Gestühlswange. Diese schmückte das für die Rostocker Ratsherren reservierte Gestühl in der Warnemünder Kirche. Sie trug das Wappen der Stadt Rostock und den Greif als Ratswappen und führte so den Anwesenden in der Kirche die Machtverhältnisse deutlich vor Auge.

 

Das Rathaus ist bis heute das prachtvolle Zentrum der Stadt. In seiner Geschichte war es stets Sitz des Rates aber auch Ort des Gerichts sowie Kaufhaus für den Handel. Zunächst besaßen die drei Stadtgemeinden eigene Rathäuser. Sie lagen an der Ostseite des Alten Marktes, auf dem Neuen Markt und auf dem Neustädtischen Markt, dem heutigen Universitätsplatz. Nach der Vereinigung der Gemeinden, der Räte und Gerichte wurde der Markt der Mittelstadt Hauptmarkt und Sitz der Stadtregierung. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ ermöglichen wir einen Blick hinter die Fassade des Rathauses.

Das Kröpeliner Tor ist auch heute noch ein imposantes Bauwerk in der Innenstadt Rostocks. Im Mittelalter war es mit seiner Höhe von 54 Metern der höchste Profanbau seiner Zeit in Mecklenburg. Von hier aus führten die wichtigen Handelsstraßen nach Wismar und Lübeck. Die beiden Untergeschosse mit der Durchfahrt und dem Fallgitter stammen aus der 2. Hälfte des  13. Jahrhunderts, die oberen Etagen aus dem 14. Jahrhundert. Sie besitzen Fensterluken und Schießscharten für leichte Feuerwaffen. Um drei Seiten des sechsten Geschosses zog sich  ein hölzerner Wehrgang, von dem heute noch die Balkenlöcher zu sehen sind. Er wurde Mitte des 17. Jahrhunderts entfernt. Zum Kröpeliner Tor gehörte ursprünglich eine Vortorbefestigung  aus einer erst hölzernen, später gemauerten Brücke, welche die beiden Gräben überspannte, dem Zwinger und dem Vortor. Dass sich die Rostocker zu wehren wussten beweist eine Hinterladerkanone aus dem 15. Jahrhundert. Sie sehen sie in der Sonderausstellung zum Stadtjubiläum.

Wo sich heute eine viel befahrene Straßenkreuzung befindet, stand bis 1849 ein mächtiger Kanonenturm. Mit der Erweiterung der Stadt nach Süden und dem Entstehen der Steintor-Vorstadt war er im Weg. Preußische Pioniere und große Mengen Sprengstoff waren notwendig um die soliden Mauern des Turmes zu beseitigen. Er wurde 1526 – 1532 durch den Baumeister Hans Percham aus Wittstock errichtet und war ein zentraler Teil der Stadtbefestigung. Ursprünglich führte eine Straße vom Steintor zwischen den Zwingermauern durch die Reste des mittelalterlichen Vortores und der östlichen Wand des Zwingerhofes in einem tiefen Hohlweg bis zum Kanonenturm. Eine Brücke überquerte den Wallgraben. Der Zwinger beherrschte durch seine Lage das weitläufige Vorgelände der Stadt, den Wall und den Graben. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie Zeichnungen des Kanonenturmes vom Rostocker Maler Paul Tischbein sowie vom Stadtphysikus Johann Friedrich Wilhelm Lesenberg. 

Die Straße Hinter dem Rathaus, ursprünglich Hinter dem Weinkeller, gehörte im Mittelalter zu den besten Lagen Rostocks. Der Anspruch der Kaufleute als führende Gruppe in der Stadt äußerte sich auch in den Fassaden ihrer Hausfassaden. Die aus Stein errichteten Kaufmannshäuser wurden auf schmalen Grundstücken errichtet und standen mit dem Giebel an der Schmalseite zur Straße. Hinter dem Haus erstreckten zumeist große Hofgrundstücke.
In dem historischen Eckhaus befinden sich heute das Standesamt und das Archiv der Hansestadt Rostocks. Es wurde um 1470 von Bürgermeister Bertold Kerkhof errichtet und war bis in das 17. Jahrhunderts im Besitz seiner Familie. Nach dem Ende des Geschlechts 1605 ging das Haus in den Besitz der Familie Burchard über und wurde 1902 mit anderen Grundstücken von der Stadt gekauft. In der Ausstellung Rostock.Jetzt800 sehen Sie den luxuriösen Fassadenschmuck den die Familie Mitte des 16. Jahrhunderts anbringen ließ. Die aus Sachsen oder Süddeutschland importierten Majolikaplatten zeigen den Wohlstand aber auch den Kunstsinn der Zeit. 

Ab 1256 besaßen die Dominikaner in Rostock ein einflussreiches Kloster. 1831 wurde die Klosterkirche abgerissen, so dass heute nichts mehr im Stadtbild an die imposante Anlage erinnert. Im Kulturhistorischen Museum Rostock zählt das Retabel des Hochaltars zu den eindrucksvollsten Stücken. Es war ursprünglich ein Wandelaltar mit einem feststehenden Mittelschrein, zwei beweglichen Flügelpaaren, einer Predella und einem Gesprenge als oberem Abschluss. Er wurde von der weltlichen Bruderschaft der heiligen drei Könige (Fraternitas trium regum) in Auftrag gegeben. Die Heimreise der Heiligen drei Könige ist das bekannteste Bild des Altars, da die im Hintergrund befindliche Stadt Ähnlichkeiten mit dem mittelalterlichen Rostock aufweist. Erkennbar sind die schlanken Turmhelme der Kirchen St. Petri und St. Nikolai, der Ausfluss der Grube in den Hafen, die Strandtore und die Landungsbrücken. Es wäre damit die älteste bildliche Darstellung der Hansestadt Rostocks. Beim Abbruch der Kirche 1831 wurde der imposante Altar demontiert. Seit 1888 befinden sich seine Überreste im Museum.

Heute ist das Gebiet um den Fischereihafen ein dicht erschlossenes Gewerbegebiet. Im Mittelalter lag es weit vor den Toren der Stadt und war nicht nur von Bauerndörfern wie Schmarl, Lütten Klein oder Bramow geprägt sondern auch durch eine große Klosteranlage. 1396 stifteten die Rostocker Winhold Bagghel und Matthias von Borken dieses Karthäuserkloster, welches schnell seinen Besitz und Einfluss mehren konnte. Die Mönche aus Marienehe traten als Berater des Rates auf und schlichteten in städtischen Streitfällen. Nach der Reformation Rostocks 1531 beharrten die Kartäuser auf ihrem katholischen Glauben und übernahmen weiterhin seelsorgerische Dienste für diejenigen Rostocker, die der alten Lehre anhingen. 1533 verbot der Rat den Rostocker Bürgern, in dem Kloster am Gottesdienst oder an der Beichte teilzunehmen. Heute erinnert nichts mehr an die ehemalige Klosteranlage. Herzog Johann Albrecht I., ein entschiedener Reformator, ließ das Kloster im März 1552 plündern und die Mönche vertreiben. Das Kulturhistorische Museum bewahrt bis heute die Siegel des Klosters und zeigt sie in der Sonderausstellung zum Stadtjubiläum.

Die Nikolaikirche in der Rostocker Altstadt ist heute ein wichtiges geistliches sowie kulturelles Zentrum der Stadt und wird regelmäßig als Konzertkirche genutzt. Erstmals 1260 erwähnt, war sie eine der vier städtischen Pfarrkirchen und wurde 1316 dem heiligen Nikolaus, Patron der Seefahrer, Fischer und Reisenden geweiht. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ präsentieren wir eine der beiden letzten erhaltenen Kaseln Rostocks. Das kostbare Messgewand trug der Priester des Bruchfischeraltars zu hohen Kirchenfesten. Die Bruchfischer unterhielten, wie viele Ämter und Bruderschaften, einen eigenen Altar, zeitweise mit mehreren Geistlichen, um durch Gottesdienste und fromme Werke im Diesseits die jenseitigen Qualen der lebenden und verstorbenen Amtsbrüder zu mildern beziehungsweise Sündenablass zu erhalten. Die Rostocker Fischer waren in die Bruchfischer, die Straßen- und Strandfischer sowie die Seefischer in Warnemünde geteilt. Trotz ihrer Bedeutung gehörten sie zum dritten Stand, zu den am wenigsten angesehenen Ämtern. Straßen- und Strandfischer konzentrierten sich seit um 1288 in der Fischerstraße in der Neustadt.

Die imposante Marienkirche ist aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Als Pfarrkirche der Mittelstadt war sie in der Rostocker Geschichte die größte, bedeutendste und reichste der Rostocker Kirchen. Sie wurde 1232 erstmals erwähnt. Wegen der zentralen Lage in der der Nähe des Neuen Marktes mit dem Rathaus machte man sie mit der Vereinigung der Rostocker Teilstädte 1262 bis 1265 zur Haupt- und Ratspfarrkirche und damit zum Symbol des städtischen Gemeinwesens. Seit 1419 war St. Marien Universitätskirche. Ihr Pfarrbezirk umfasste die Rostocker Mittelstadt zwischen der Grube im Osten, dem Straßenzug Lagerstraße/Faule Grube/Kleine Doberaner Straße im Westen und der Stadtmauer im Norden und Süden. Die Verwaltung des Bauwesens und die Kirchenaufsicht lagen beim Rostocker Rat, der das repräsentative Gebäude in mehreren Baukampagnen zwischen 1290 und 1452 neu errichten ließ. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ zeigen wir ein detailliertes Modell aus dem 19. Jahrhundert sowie eine wertvolle vergoldete Oblatendose aus dem 16. Jahrhundert, welche bis heute bei feierlichen Gottesdiensten Verwendung findet.

In der Rostocker Altstadt erhebt sich die Petrikirche über den Alten Markt. Zwar wurde sie erst 1252 erstmals urkundlich erwähnt, doch ist sie vermutlich die älteste der vier Rostocker Pfarrkirchen. Zu ihrer Gemeinde gehörten vor allem einfache Handwerker, Fischer und Tagelöhner weswegen sie auch die Ärmste der Rostocker Kirchen war. Besondere Bedeutung für die Rostocker Geschichte erlangte die Petrikirche als Wirkungsstätte des berühmten Reformators Joachim Slüter. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie von Bomben getroffen und der Turm stürzte ein. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie eindrucksvolle Stücke ihrer historischen Ausstattung. In Pfarrkirchen stifteten vermögende Bürger oder Institutionen oft Kerzenleuchter und finanzierten deren Unterhalt. St. Petri besaß insgesamt drei Kron- und 29 Wandleuchter. Sie wurden zwischen 1554 und 1599 von Rostocker Familien, Goldschmieden, den Älterleuten von Handwerksämtern aus der Altstadt und von Kirchenvorstehern gestiftet. Diese Figuren gehörten zum größten Kronleuchter. Gewand und Kopftonsur deuten auf Bettelmönche hin. Vermutlich kamen sie aus dem nahen Franziskanerkloster, das seit der Reformation 1533 durch die Prediger von St. Petri mit verwaltet wurde.

Ursprünglich kreuzten sich hier die Grapengießerstraße und die Lange Straße. 1487 war diese Stelle Schauplatz eines spektakulären Verbrechens. Nachdem der Rostocker Rat entgegen dem Bürgerwillen der Gründung eines Domstiftes in St. Jakobi zugestimmt hatte, war dies am 12. Januar feierlich geweiht worden. Der herzogliche Kanzler Thomas Rode wurde dabei als Domprobst eingesetzt. Am 14. Januar erhoben sich die erbosten Bürger. Sie unterbrachen den Gottesdienst in St. Marien, zogen zum Rathaus und dann zum Heiliggeist-Hospital, wo sich die Domherren aufhielten. Thomas Rode wurde ergriffen, unter Schlägen mit geschleppt und hier erschlagen. Herzog Magnus II. verpflichtete die Stadt Rostock 1494 einen Sühnestein als Strafe an der Stelle zu errichten. Er trägt eine verwitterte lateinische Inschrift: „Im Jahre 1487, an dem Tage Felicis, wurde Thomas Rode vom Leben zum Tode gebracht, dem Gott gnädig und barmherzig sei. Der Stein befindet sich heute im Kulturhistorischen Museum und ist Teil der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“.

Der Heiligengeisthof in der Innenstadt von Rostock ist heute ein idyllischer Ort mit Geschäften und Gastronomie. Im Mittelalter befand sich hier der Innenhof des Hospitals zum Heiligen Geist. Zunächst in der Altstadt gelegen, wurde es 1275 hier neu errichtet. Durch Schenkungen und Stiftungen wuchsen Reichtum und Einfluss. Eine große Hospitalkirche verband den Hof mit der heutigen Kröpelinerstraße. Hospitäler erfüllten in der mittelalterlichen Stadt wichtige Funktionen. Hier wurden Alte, Kranke oder auch verwaiste Kinder versorgt. Mit Spenden oder durch freiwillige Arbeit konnten Alleinstehende oder kinderlose Ehepaare das Privileg erlangen bei Krankheit oder im Alter im Hospital zu wohnen und versorgt zu werden. Das Hospital ist im heutigen Stadtbild nur noch zu erahnen. Wurden die Wohnhäuser am Heilig-Geist-Hof im 18. und 19. Jahrhundert noch neu errichtet, verfiel hingegen die imposante Hospitalkirche. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie Teile eines ihrer mittelalterlichen Altäre. Das wertvolle Relief zeigt die Figur des Gottvaters auf dem himmlischen Thron mit dem toten Christus. Die Taube über ihren Köpfen, Symbol des heiligen Geistes, fehlt heute. Die Darstellung versinnbildlicht ein bestimmtes Verständnis von der Trinität (Dreieinigkeit): Gott präsentiert Christus den Menschen als denjenigen, der für ihre Sünden am Kreuz gestorben ist. Der Heilige Geist, der zwischen Gott und Christus steht, vermittelt zwischen beiden.

Heute erinnern nur noch die kleinen Häuser in den beiden St. Jürgenstraßen und der Name der St. Georg Straße an die alte Hospitalanlage. Vor den Toren der Stadt gelegen, wurden hier ab 1260 unter anderem Leprakranke versorgt. Durch Spenden oder freiwillige Arbeit konnte man das Recht erlangen im Alter oder bei Krankheit im Hospital versorgt zu werden, die sogenannte Präbende. Die kleinen Präbenderhäuser haben sich zum Teil bis heute erhalten. Die Hospitalkirche und der Friedhof nördlich der St. Jürgenstraße sind heute hingegen aus dem Stadtbild verschwunden.
Während das Hospital die Reformation noch ohne große Nachteile überstand, wurde es 1631 im Verlauf des 30jährigen Krieges vollständig verwüstet. Namensgeber des Hospitals war der Heilige Georg. In der Ausstellung „Rostock.jetzt800“ sehen Sie eine hölzerne Reiterstatue aus dem 15. Jahrhundert. Er zählte zu den 14 Nothelfern und galt als Schutzpatron der Kranken und Siechenden. Der äußerst beliebte Heilige war auch Teil zahlreicher Legenden. Besondere Verbreitung fand die Erzählung von Georg als Drachentöter.

Der Universitätsplatz mit dem Brunnen der Lebensfreude ist heute ein zentraler und beliebter Platz der Rostocker Innenstadt. In den ersten Jahren nach der Stadtgründung befand sich hier, etwas westlich des Brunnens, das Rathaus der Neustadt. Mit Gründung der Universität 1419 wurde das Gebäude zum Kollegium der Artisten. Die Universität wird im kommenden Jahr ihren 600. Geburtstag feiern. In der Sonderausstellung zum Stadtjubiläum zeigen wir bereits eine wertvolle Leihgabe des Universitätsarchives: Das Liber Facultatis, das Buch der Philosophischen Fakultät. Hier wurden die Studenten und die Statuten der Fakultät verzeichnet. Als Grundlagenfakultät hatte sie jeder Student zu durchlaufen. Zum Einschreiben in die Universität musste er sich in der Wohnung des Rektors einfinden, um sich dort vorzustellen. Er hatte dann einen Eid abzulegen, in dem er dem Rektor unbedingten Gehorsam schwor. Gleichzeitig schwor er, ein guter und fleißiger Student zu sein. Auf den Eid erfolgte das Zahlen der Immatrikulationsgebühr. Die Studenten genossen eine besondere Stellung in der Stadt und hatten beispielsweise einen speziellen Rechtsstatus. Die Mitgliedschaft galt auf Lebenszeit, sofern der Student diese nicht durch unmoralisches Verhalten verlor oder selbst aufgab.

Das ehemalige Fraterhaus der Brüder zum gemeinsamen Leben in der Altbettelmönchstraße beherbergt heute die Fachbibliothek Philosophie und Theologie sowie die evangelisch-methodistische Gemeinde Rostocks. Das eindrucksvolle Gebäude hinter dem Rostocker Hof hat indes eine wechselvolle Geschichte. 1462 kamen die Brüder zum gemeinsamen Leben aus der Gegend um Münster nach Rostock um sich hier niederzulassen. Die klosterähnliche Gemeinschaft war vor allem für ihre Buchherstellung bekannt. Im östlichen Teil ihres Gebäudes befand sich eine Kirche während im westlichen Teil gewohnt und gearbeitet wurde. Hier befand sich ihre Druckerei, welche die erste in Rostock war und die Hansestadt zu einem wichtigen Zentrum der Buchherstellung im Ostseeraum machte. Bei Ausgrabungen kamen in den 1950er-Jahren zahlreiche Tintenfässer zu Tage, die in einen Zusammenhang mit dieser ältesten Druckerei gebracht werden können. Neben bedeutenden Drucken der Brüder sehen Sie diese Tintenfässer in der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“.

Hier, wo die Große Goldstraße in die Altschmiedestraße mündet, nahm eine der größten Katastrophen der Rostocker Geschichte ihren Anfang. Am 11. August 1677 brach hier morgens um 8.30 Uhr beim Bäcker Joachim Schulze ein Feuer aus, das schnell auf die umliegenden Häuser übergriff. Nach zwei langen Tagen gelang es den Rostockern, die Feuer zu löschen, nachdem Regen eingesetzt hatte. Erst an der Wokrenter Straße konnte der größte Brand der Rostocker Geschichte eingedämmt werden. Ein Drittel aller Gebäude war zerstört, die wirtschaftliche Grundlage der Stadt schwer geschädigt. Die Einwohnerzahl sank in der Folgezeit auf die Hälfte. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ können Sie sich ein Bild davon machen, wie man vor 350 Jahren Feuer bekämpfte. Wir zeigen die Brandordnung der Stadt sowie eine Feuerlaterne. Diese diente als Zeichen des Einsatzleiters bei den Löscharbeiten nach dem Ausbruch eines Brandes.

Vor dem Hauptgebäude der Universität befindet sich eine imposante Bronzefigur. Sie zeigt den preußischen Feldmarschall Gebhard Leberecht Blücher. 1819 widmete Rostock seinem großen Sohn ein Denkmal, wobei die Entstehungsgeschichte dieser Ehrung kurios anmutet. Am 22. Juli 1918 erschien in einer hamburgischen Zeitung ein Artikel, welche die Errichtung des Denkmals ankündigte. Als Blücher selbst sich in einem persönlichen Brief an die Hansestadt bedankte, waren Fakten geschaffen. Die Rostocker Stadtverwaltung wusste bis zu diesem Zeitpunkt nichts von derartigen Plänen, musste nun aber durch den öffentlichen Druck aktiv werden. Den Entwurf für die Figur lieferte der Berliner Bildhauer Gottfried Schadow. Johann Wolfang von Goethe beteiligte sich mit einer Inschrift auf dem Sockel. Das Denkmal wurde schließlich auf dem Hopfenmarkt vor dem Palais des mecklenburgischen Großherzogs aufgestellt und am 29. August 1819 mit einem großen Fest eingeweiht. 1938 wurde die Figur einige Meter bis zu ihrem heutigen Standort verschoben. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie eine Tabakdose, welche einen Eindruck von der Einweihung des Denkmals gibt. Im Hintergrund sind das Weiße Kolleg der Universität und die Kirche des Klosters zum Heiligen Kreuz zu sehen.

1844 zog der Stadtpysikus Johann Wilhelm Lesenberg in das Haus am Burgwall 41. Lesenberg wurde am 21. September 1802 geboren. Er studierte in Rostock Medizin. 1840 berief ihn die Stadt Rostock zum Stadtphysikus. Damit oblag ihm die Aufsicht über das städtische Gesundheitswesen. Aus seinem Besitz stammt ein eleganter Holztisch mit kunstvollen Intarsien. Er kam über eine der letzten Stiftsdamen des Klosters zum Heiligen Kreuz, Anna Lesenberg in das Museum. Sie hatte ihn von ihrem Großvater geerbt. Er ist nun Teil der Sonderausstellung „Rostock.Jetzt800“. Zusammen mit anderen zeitgenössischen Möbeln und Schmuckstücken vermittelt er einen Eindruck des bürgerlichen Geschmacks der Zeit. Der private Salon mit  Sofa,  Nähtisch und Sekretär wurde zum Zentrum der bürgerlichen Familie und der Biedermeier zum ersten bürgerlichen Einrichtungsstil.

Das Areal des ersten Rostocker Bahnhofs ist heute nur noch zu erahnen. Das ehemalige Empfangsgebäude wird seit 2009 als Seniorenresidenz genutzt. Bereits 1850 nahm der Bahnhof, benannt nach dem Großherzog Friedrich Franz seinen Betrieb auf. Schon im ersten Jahr nutzten 26.547 Reisende den Bahnhof. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz über Bad Kleinen nach Schwerin war die Initialzündung für den wirtschaftlichen Aufschwung der Hansestadt. Mit dem Bau des Bahnhofes begann die Stadt nach Süden zu wachsen. Aus Feldwegen wurden Straßen mit modernen bürgerlichen Häusern. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie einen der ersten Fahrpläne der mecklenburgischen Eisenbahn sowie einen Stadtplan aus dem Jahr 1872, welcher die neu entstehende Steintorvorstadt zeigt. 

Das ehemalige Werftgelände der Neptunwerft ist ein zentraler Ort Rostocker Wirtschaftsgeschichte. Heute wird eine ehemalige Werfthalle als Neptuncenter für verschiedene Geschäfte genutzt, große Teile des restlichen Areals sind mit modernen Wohnhäusern bebaut. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lag diese Gegend noch außerhalb der Stadtmauern und war von Gärten und Grünflächen geprägt. Im Jahr 1850 gründeten hier Wilhelm Zeltz und Albrecht Tischbein die gleichnamige Schiffwerft und Maschinenfabrik. Aus ihr ging 1890 die Actiengesellschaft „Neptun“ Schiffswerft und Maschinenfabrik hervor. Sie war das größte Unternehmen Mecklenburgs. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ zeigen wir ein Schiffsmodell der „Erbherzog Friedrich Franz“ sowie einen Kupferstich, welcher den Stapellauf der „Königin Marie“ 1857 zeigt. Der Schraubendampfer war mit einer Dampfmaschine ausgestattet, die in Hannover vorgefertigt worden war. Das nach Königin Marie von Hannover benannte Schiff verkehrte für eine niederländische Gesellschaft zwischen Amsterdam und Harburg.

Hier in Rostocks Nordwesten, unweit der ehemaligen Neptunwerft, befand sich die Produktionshalle eines der bedeutendsten lokalen Unternehmen des 19. Jahrhunderts.
Die Chemiefabrik von Friedrich Witte war das Aushängeschild der Rostocker Wirtschaft. Friedrich Witte hatte mit Theodor Fontane die Apothekerlehre in Berlin absolviert und übernahm nach Studium und Lehre die väterliche Hirsch-Apotheke. Doch er verkaufte diese und gründete eine chemische Fabrik. 1871 gelang hier die Herstellung von Coffein in kristalliner Form. In den folgenden Jahren wurde die Fabrik mit der Entwicklung von Produktionsverfahren zur Herstellung reinen Pepsins, von Labpulver, Pepton, Pankreatin und Papain äußerst erfolgreich. Vor allem Wittes Pepton erlangte international große Aufmerksamkeit. Das Unternehmen wurde zum Weltmarktführer und lieferte vor allem in die USA und nach Russland. Witte verkörperte den modernen bürgerlichen Unternehmertyp der Gründerzeit und war gleichzeitig auch Reichstagsabgeordneter.
In der Sonderausstellung zum Stadtjubiläum zeigen wir unter anderem einen Tafelaufsatz: ein Geschenk des Allgemeinen Mecklenburgischen Handelsverein für seinen Mitbegründer und Vorsitzenden Friedrich Witte. Er wurde von 1868 bis 1893 in der Familie auch dafür verwendet, Namen und Daten von vierzehn Familienmitgliedern einzugravieren.

Die neuere Steintor Vorstadt zwischen St. Georg Straße und dem Bahnhof ist heute nach wie vor durch großzügige bürgerliche Villen geprägt. Viele von ihnen sind aufwendig saniert und geben einen Eindruck vom ursprünglichen Charakter des Stadtviertels. 1887 wurde zwischen der St.-Georg Straße und dem 1886 entstandenen Bahnhof ein großzügiges und modernes Viertel angelegt, welches mit breiten Straßenzügen und Grünflächen den Bedürfnissen einer wohlhabenden Überschicht entsprechen sollte.
In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie ein Architekturmodell der Villa in der Kaiser-Wilhelm-Straße 3 (heute Rosa-Luxemburg-Straße). Die große, 1896 gebaute Villa mit ihrem Turm gehörte zu den repräsentativsten Gebäuden an der Hauptstraße zum Bahnhof. Damit war sie wahrscheinlich zugleich eines der kostspieligsten. Deshalb stand die Villa häufig leer. 1900 bis 1903 hatte hier der Baumeister Wilhelm Voss Wohnung und Büro. Er war als Vorstand der Großherzoglichen Chaussee-Bauinspektion für die Überlandstraßen zwischen Rostock, Güstrow, Ribnitz und Wismar zuständig. Auch Gutsbesitzer Carl Grieffenhagen wohnte hier einige Jahre. 1911 kam das Haus in den Besitz Wilhelm Kochs. Er war Vorsitzender der Rostocker Bürgervertretung und Vorsteher der St. Marienkirche. Ihm gehörte die Seifenfabrik J. C. Lange Erben, die am Ziegenmarkt 3 ihren Sitz hatte. Nach seinem Tod 1924 gründete seine Witwe im Haus ein Töchterheim.

Die westliche Kröpeliner-Tor-Vorstadt ist heute ein lebhaftes Studentenviertel mit zahlreichen Bars und Geschäften und zählt in Rostock zu den attraktivsten Wohngegenden. Die begehrten Altbauwohnungen waren jedoch ursprünglich als einfache und günstige Arbeiterquartiere geplant. Die KTV entwickelte sich zwischen 1890 und 1908 beginnend mit den bereits vorhandenen, ehemaligen Wegen und Straßen vor dem Kröpeliner Tor, als planmäßig angelegte Vorstadt mit großen Mietshäusern vorrangig für Kleinbürger, Beamte, Handwerker und Arbeiter. Durch die allmählich anlaufende wirtschaftliche Entwicklung, verbunden mit dem Entstehen größerer Betriebe wuchs die Nachfrage nach Wohnraum, der in der eng bebauten Innenstadt nicht zu befriedigen war. In Folge des Aufschwunges stieg die Bevölkerungszahl Rostocks von 30.000 im Jahr 1871 auf 45.000 im Jahr 1890. 1905 waren es bereits 60.000 Einwohner. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ zeigen wir neben eindrucksvollen Großfotos aus den ersten Jahren der Vorstadt auch ein detailgetreues Architekturmodell eines Arbeiterwohnhauses in der Waldemarstraße. 

Der Strand von Warnemünde ist für viele Rostocker aber vor allem für zahlreiche auswärtige Besucher zu einem Markenzeichen der Hansestadt geworden. Mit etwa 3,5 Millionen Hotelübernachtungen pro Jahr ist der Tourismus auch ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Heute sind die großen Kreuzfahrtschiffe, die Menschenmengen und die vollen Strände im Sommer nicht mehr wegzudenken. Dabei war Warnemünde lange Zeit nur Fischerdorf, Wohnort für Schiffer und zweiter Rostocker Hafen. Erst im 19. Jahrhundert wurde der kleine Ort zum beliebten Seebad. Schon 1821 suchten die ersten Badegäste hier Erholung. Schon 1834 gab es bei 1.500 Einwohnern bereits 1.000 Sommergäste. Nach der Einführung der Gewerbefreiheit 1869 beschleunigte sich die Entwicklung. Handwerker und Gewerbe, den Warnemündern bisher verboten, siedelten sich an. Viele Einwohner fanden ihr Auskommen im Fremdenverkehr, vermieteten Zimmer und die neuen Veranden ihrer Häuser. Sie richteten Pensionen und Hotels ein. Der Anschluss an die Eisenbahn 1886 und die Einrichtung einer Fährverbindung nach Dänenmark 1903 schlossen dann Warnemünde endgültig an den internationalen Fremdenverkehr an. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie zeitgenössische Bademode sowie einen Sonnenschirm.

Der Name der Straßenbahnhaltestelle „Schröderplatz“ erinnert daran, dass diese stark befahrene Kreuzung einmal ein öffentlicher Platz gewesen ist. Ein Großbild in der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ erinnert an einen symbolträchtigen Tag: die Eröffnung des Brinckmannbrunnens. Am 26. Juli 1914 versammelten sich die Rostocker, um einen Sohn ihrer Stadt mit der Einweihung eines imposanten Brunnens zu ehren. Es ist eines der letzten Fotos Rostocks aus der Kaiserzeit. Die wenigsten der festlich gekleideten Gäste ahnten, dass bereits weniger als eine Woche später ein Krieg beginnen würde, der das Ende der jahrhundertealten Verhältnisse bedeutete.

Warnemünde steht heute vor allem für Fremdenverkehr und Tourismus. Im Sommer bevölkern Tausende Menschen die Promenade am Alten Strom und sitzen in den Hafenrestaurants. Der Erste Weltkrieg machte Warnemünde jedoch zur Frontstadt. Die Ostsee wurde durch den Kriegsgegner Russland zu einem Kriegsschauplatz und das Seebad militärisches Sperrgebiet. Es konnte aber mit Passierschein besucht werden. Am Alten Strom lagen Kriegsschiffe. In Hohe Düne befand sich ein Flugplatz mit einer Marine-Fliegereinheit. Obwohl man das Betreten der Mole untersagt hatte, Fenster zu verdunkeln und Fotoapparate verboten waren, erholte sich der mit Kriegsbeginn eingebrochene Tourismus. Auch, weil es im Seebad leichter war, sich mit Lebensmitteln zu versorgen, da es von landwirtschaftlichen Anbaugebieten umgeben war.

Heute erinnert angesichts großer Neubauten, wie der Zentrale der Ostseesparkasse oder dem Gebäude der Deutschen Med kaum etwas an die historischen Straßenführungen und Häuser in diesem Areal. Hier befand sich von 1906 bis in die 1980er Jahre die Hauptfeuerwache der Hansestadt. Ein Foto in der Sonderausstellung „Rostock.Jetzt800“ zeigt einen denkwürdigen Augenblick aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Auf dem Hinterhof der Feuerwache stehen die aufgereihten Glocken von acht Rostocker Kirchen. Die Beschlagnahme von Kirchenglocken begann 1917. Der Materialhunger des Weltkrieges war gewaltig und private Metallspenden reichten bald nicht mehr aus. Neben den Kirchenglocken traf es auch die Kupferabdeckung des Steintores, welche bereits 1916 abgenommen worden war. Vor der Demontage hatten die Rostocker Glocken im Juni 1917 ein letztes Mal geläutet. Die Einwohner erlebten durch die Maßnahme die Auswirkungen des Krieges besonders unmittelbar.

In den Rostocker Wallanlagen steht seit 1922 als Teil eines Brunnens eine anmutige Statue in Bronze. 1910 schuf der Wiener Künstler Victor Heinrich Seifert erstmals diese Figur einer unbekleideten Frau, die betont langsam aus einer Schale Wasser trinkt. Sie wurde danach in verschiedenen Größen in Bronze gegossen und in unterschiedlichen Zusammenhängen genutzt. 1922 schenkte der Rostocker Kaufmann Friedrich Best eine Variante dieser Plastik der Stadt Rostock zur Aufstellung an der Wallgrabenstraße (heute Hermannstraße). Der Brunnen hat indes eine wechselvolle Geschichte. Im Winter 1995 verschwand die Bronzefigur über Nacht. Durch die Spenden einer Bank konnte ein Nachguss finanziert werden. Weihnachten 2005 wurde sie abermals gestohlen. Wieder ermöglichten die Spenden verschiedener Banken und Privatpersonen den Ankauf einer neuen Figur, welche nun wieder den östlichen Eingang der Wallanlagen ziert. Eine frühe Version der Trinkenden sehen Sie in der Sonderausstellung zum Stadtjubiläum „Rostock.jetzt800“.

Kaum etwas erinnert heute daran, dass das Gelände des Ostseestadions, der großzügige Platz davor sowie die breite Straße zum Holbeinplatz ursprünglich zu einem ganz anderen Zweck angelegt worden waren. Hier wurde 1936 das Rostocker Aufmarschgelände eröffnet und bildete den Rahmen für die großen Inszenierungen der NS-Progaganda in Rostock. Die Planungen sahen neben den fertig gestellten Tribünen und dem Platz für die Gauparteitage auch eine Kongresshalle für 20.000 Menschen vor. Das Gelände an den Barnstorfer Anlagen und die darauf ausgerichtete Straßenachse mit dem Platz der Gefolgschaft sollte Rostock als nationalsozialistische Musterstadt symbolisieren. Zugleich dokumentierten diese und weitere Bauten die besondere Rolle der Stadt für die NS-Herrschaft in Mecklenburg. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie eindrucksvolle Fotografien und bewegte Aufnahmen des Aufmarschgeländes

Die Rostocker Innenstadt und besonders die Kröpeliner Straße sind heute ein beliebtes Ziel für einen Einkaufsbummel. Zahlreiche Menschen stöbern in den Geschäften und Einkaufszentren. Das war 1933 nicht anders. Wer jedoch am 30. März 1933 das traditionsreiche Kaufhaus Wertheim aufsuchen wollte, dem bot sich ein düsteres Bild. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ zeigt ein Großfoto SA-Männer vor dem Warenhaus. Die jüdische Familie Wertheim betrieb in Stralsund, Rostock und Berlin erfolgreiche Kaufhäuser. Die Filiale in Rostock war 1884 eröffnet und seitdem beständig vergrößert worden. 1903 wurde ein dreigeschossiger Neubau mit Lichthof und Wintergarten eröffnet.
Ab 1933 sahen sich die Rostocker Juden zunehmenden Repressionen ausgesetzt. Der „Judenboykott“ begann mit der Postierung von SA-Leuten vor jüdischen Geschäften. Am 31. März folgte eine Großkundgebung auf der Reiferbahn. Der Boykott von 57 Geschäften, Arztpraxen und Anwaltskanzleien wurde mit Einschüchterung und Gewalt durchgesetzt.
Der Antisemitismus fand 1935 in den „Nürnberger Gesetzten“, durch die die jüdischen Mitbürger recht- und schutzlos wurden, seinen vorläufigen Höhepunkt. Sie waren u. a. gezwungen, den Judenstern zu tragen und mussten bei ihrer Namensnennung den Zusatz „Israel“ und „Sarah“ angeben.

Die Rostocker Augustenstraße war 1938 Schauplatz einer historischen Tragödie. Im Zuge des Novemberpogroms wurde die Synagoge in der Augustenstraße 101 niedergebrannt. Die jüdische Gemeinde der Hansestadt betrieb mit der Synagoge und einem Gemeindehaus ein reges religiöses Zentrum mit einer eigenen Sonntagsschule.  Sie umfasste 1932 rund 350 Männer, Frauen und Kinder. Im Pogrom vom 9. November 1938 wurde die Synagoge in Brand gesteckt und brannte vollständig nieder. In Rostock wurden im Rahmen der Deportation am 28. Oktober 1938 insgesamt 37 Juden verhaftet und nach Polen abgeschoben. Die Mehrheit der Gemeindemitglieder versuchte, ins Ausland zu flüchten. 70 Personen wurden zwischen 1942 und 1944 in Konzentrationslager deportiert. Fast alle kamen dort ums Leben. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ erinnern zwei Fotografien an diese dunkle Stunde Rostocker Geschichte.

Hier im Stadtteil Marienehe befand sich ab 1935 die Lehrlingshalle der Ernst-Heinkel- Flugzeugwerke. Rostock war seit den 1920er Jahren ein zentraler Ort der Luftfahrtgeschichte und Schauplatz einiger technischer Durchbrüche. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurden zahlreiche deutsche Unternehmen in den Dienst der Rüstung gestellt, so auch die Heinkel-Werke. Mit dem neuen Werk in Rostock Marienehe 1935 und mit der Aufstockung auf mehrere tausend Mitarbeiter begann die Serienproduktion von Kriegsflugzeugen. Kurz vor Kriegsbeginn startete am 27.8.1939 in Marienehe das erste düsenbetriebene Flugzeug der Welt. Solche technischen Errungenschaften standen jedoch bereits im Licht des kurz bevorstehenden Krieges. Vor allem Heinkels He111 wurde als Standardbomber der Luftwaffe an fast allen Schauplätzen des 2. Weltkrieges eingesetzt. Damit war Rostock einer der wichtigsten Rüstungsstandorte Norddeutschlands. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie verschiedene Fotografien dieser Zeit sowie eine Heinkel-Werkszeitung. 

Die Lange Straße in Rostock ist einer der markantesten Straßenzüge der Hansestadt und prägt das Bild der Innenstadt. Sie ist jedoch zugleich stummer Zeuge der Rostocker Kriegsjahre. Als wichtiger Rüstungsstandort im Norden des Reichs und als nationalsozialistische Musterstadt geriet Rostock als eine der ersten Städte in den Fokus der Alliierten. In vier Nächten zwischen dem 23. und 27. April 1942 legten alliierte Bomber Rostock in Trümmer. Die Angriffe forderten ca. 300 Tote und Verwundete und zerstörten 60 Prozent der Gebäude. Dabei wurde die Lange Straße besonders schwer getroffen und zum größten Teil vernichtet. Nach den Bombennächten hatte sich das Angesicht der Innenstadt für immer verändert. Die unbebaute Nordseite des Neuen Marktes, die großzügigen Ausdehnungen etwa von Steinstraße und Langer Straße sowie die Freifläche um das Kröpeliner Tor sind nur Beispiele dafür, wie Rostock zu großen Teilen auf Trümmerfeldern neu errichtet wurde. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie zahlreiche Fotografien des zerstörten Rostocks sowie eindrucksvolle Zeugnisse der Bombennächte, wie etwa ein Stück des Kupferdaches von St. Petri, welches ebenfalls getroffen ausbrannte.

Drei Pfarrkirchen des mittelalterlichen Rostocks prägen auch heute noch das Stadtbild. St. Marien, St. Petri und St. Nikolai haben trotz zahlreicher baulicher Veränderungen die Jahrhunderte überlebt. Dass Rostock einst vier große Pfarrkirchen besaß, lässt sich heute nur noch auf alten Stadtansichten erkennen. Allein der Name „Jacobi-Kirchplatz“ der Grünfläche inmitten der dichtbebauten Innenstadt deutet auf die einst prächtige Pfarrkirche der Neustadt hin. Die Jacobikirche wurde bereits 1280 begonnen, der Chor wurde erstmals 1329 erwähnt. Als Kirche der reichen Neustadt hatte sie eine prunkvolle Ausstattung. Bei den Bombenangriffen 1942 brannte sie jedoch vollständig aus. Als 1947 der nahe Blücherbunker gesprengt wurde, stürzte das Langhaus endgültig ein. Das Kulturhistorische Museum Rostock verwahrt ein eindrucksvolles Zeugnis der Zerstörung dieser Pfarrkirche auf: Ein Epitaph aus dem Jahr 1599, welches die Frau des Bürgermeisters Heinrich Runge darstellt, überlebte die Flammen, da es aus Sandstein gefertigt war. Erst beim Einsturz des Kirchenschiffs infolge der Sprengung des südlich der Kirche stehenden Blücherbunkers fiel es herab und zerschellte.

Die lange Straße wurde in den Bombennächten des Zweiten Weltkrieges besonders schwer getroffen. Heute ist sie einer der markantesten Straßenzüge Rostocks und aus dem Stadtbild kaum wegzudenken. Ihr heutiges Gesicht erhielt die Lange Straße in den 1950iger Jahren: als Kernstück der Umgestaltung der Rostocker Innenstadt. Um die politische Bedeutung Rostocks zu unterstreichen, sollte das Zentrum durch eine breite Magistrale dominiert werden. Städtebaulich war dieses Projekt in seiner Größenordnung einzigartig in Mecklenburg-Vorpommern und prägt die Stadt bis heute maßgeblich. So mussten, um die Verkehrsanbindung der Langen Straße zu gewährleisten, die Nordseite des Neuen Marktes und die Christuskirche am Schröderplatz weichen. Man orientierte sich vor allem am Stil des sozialistischen Klassizismus, der auch bei anderen Bauprojekten der DDR wie der Frankfurter Allee formgebend war. Doch auch Elemente der Norddeutschen Backsteingotik fanden ihren Weg in die Entwürfe. In der Ausstellung „RostockJetzt800“ sehen Sie Formsteine aus dem originalen Fassadenschmuck. Die vier Keramiktafeln ergeben zusammengesetzt eines der gotischen Vierpass-Motive, die als Zierfriese beinahe sämtliche Fassaden der Langen Straße schmücken.

Die Straßenzüge zwischen der Langen Straße und der Warnow sind heute eine begehrte Rostocker Wohnlage. Erst beim zweiten Blick merkt man, dass es sich bei den Gebäuden mehrheitlich um Plattenbauten handelt. In den 1980er Jahren erfolgte nach dem großflächigen Abriss die Neubebauung der Nördlichen Altstadt. Nur wenige historische Gebäude wie der Speicher der Chemiefabrik Witte in der Schnickmannstraße, Speicher an der Grapengießerstraße oder der Hornsche Hof blieben erhalten. In der Wokrenter Straße entstanden größtenteils Neubauten. Die Fassaden der Neubauten orientierten sich allerdings, wie auch bereits in der Langen Straße, an historischen Vorbildern und fügen sich daher bis heute in das Stadtbild ein. Damit hatte das Stadtviertel einen gravierenden Wandel erfahren. Zuvor war die alte Bebauung zusehends verfallen. Durch die zentral gelenkte Wohnungsvergabe entstand eine neue soziale Differenzierung. In den Neubaugebieten am Stadtrand wohnten vor allem kinderreiche Familien, gutverdienende Arbeiter sowie politisch konforme Bürger. Hierher flossen die knappen Investitionsmittel, da das Wohnungsproblem vor allem durch den Neubau in Plattenbauweise behoben werden sollte. In den unsanierten und immer rascher verfallenden Altbauwohnungen der Innenstädte lebten hingegen vor allem Alleinstehende, unqualifizierte Arbeitskräfte, Regimekritiker oder alte Menschen. Anhand eindrucksvoller Fotografien in der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ können Sie diese

 

Viele Rostocker erinnern sich noch gut an die 1955 gebaute Kabelkrahnanlage, welche allein durch ihre Größe die Silhouette von Warnemünde prägte. Sie war Teil der Warnowwerft und damit auch Symbol für den Schiffbau an der Warnow. Rostock wurde in der DDR als zentraler Werft- und Hafenstandort ausgebaut. Die Warnowwerft und der Überseehafen bildeten das Rückgrat dieser Entwicklung. In der Sonderausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie zahlreiche Stücke, welche von diesem Kapitel Rostocker Wirtschaftsgeschichte erzählen. Dazu gehört auch Franz Fühmanns Buch „Kabelkran und blauer Peter“ von 1961. Es basiert auf seinen eigenen Erfahrungen, die er zuvor auf der Warnemünder Warnowwerft gesammelt hatte. In den 1950er und 1960er Jahren versuchte die DDR-Führung durch literarische Texte die Arbeit in den Betrieben als Ideal des Staates herauszustellen. Den entsandten Schriftstellern fielen aber auch immer wieder die Engpässe und Schwierigkeiten bei der Produktion auf, über die selten in direkter Weise berichtet werden durfte.

 

Das Hotel „Neptun“ ist seit 1971 das größte und bekannteste Hotel Warnemündes und das mit 64 Metern zweithöchste Gebäude der Hansestadt. Es galt als eines der drei besten Hotels der DDR und war Sehnsuchtsziel vieler DDR-Bürger. Doch zunächst war das Hotel lediglich für Touristen aus dem westlichen Ausland gedacht. Nachdem der 8. Parteitag der SED die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ zur Doktrin erhoben hatte, gingen 80 Prozent der Zimmer an den FDGB-Feriendienst. Zwölf Tage in Vollpension kosteten 310 Mark und wurden durch die Ferienkommissionen der Betriebe vergeben, welche die Urlauber nach „sozialistischen“ Kriterien auswählte. In der Ausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen sie ein sogenanntes „Storeticket“. Wegen des hohen Anteils von Ausländern, vor allem Westdeutscher, besaß das Hotel Neptun eine Hauswährung, in die jeder Gast seine Landeswährung einzutauschen hatte. So sollten illegaler Umtausch und Schwarzhandel verhindert werden.

Regelmäßig ziehen Fußballfans aus der Stadt und der Region ins Ostseestadion um ihren Club zu unterstützen. Der FC Hansa Rostock ist für zahlreiche Menschen im Norden eine Herzensangelegenheit. Der Verein wurde 1965 aus der Fußballabteilung des SC Empor Rostock gebildet und ist heute ein wichtiges Markenzeichen und auch Wirtschaftsfaktor für die Hansestadt geworden. Seine Entstehung ist dabei eng mit der Rolle Rostocks als Bezirksstadt verbunden. Als 1954 das Ostseestadion fertig gestellt wurde gab es vor Ort keine Fußballmannschaft in einer höheren Spielklasse. Seit dem Abstieg des SC Motor Wismar spielte seit 1951/52 keine Mannschaft im Norden mehr in der DDR-Oberliga. Deshalb wurde 1954 mit Beschluss der DDR-Sportführung auf Initiative des Ersten Sekretärs der SED-Bezirksleitung die Mannschaft der sächsischen BSG Empor Lauter während der laufenden Saison nach Rostock verlegt. In der Sonderausstellung „Rostock.Jetzt800“ sehen Sie unter anderem einen Wimpel des Vereins aus dem Jahr 1980.